Alles Zufall, oder was?

Der Mensch an sich neigt ja gerne dazu, einen Sinn im Leben verspüren zu wollen. Das tut er beispielsweise, indem er DEN Beruf sucht, für den seine Leidenschaft brennt, oder er wird gläubig, oder ähnliches. Manchen Menschen ist dabei wohl in die Wiege gelegt, mit dem zufrieden zu sein, was ihnen so passiert.

Andere aber sind ständig auf der Flucht vor dem bedeutungslosen Leben – und übersehen dabei die ganzen bedeutungsvollen Momente, die sie sich doch eigentlich wünschen.

Dabei regiert in unserem Leben genau ein Zustand, und das ist der Zufall.

Man stelle sich vor, es gäbe einen Computer, der alles, aber auch wirklich alles aufzeichnen könnte, was auf dieser Erde und in diesem Universum so geschieht. Und da dieser Computer über eine künstliche Intelligenz verfügte, könnte er alles Aufgezeichnete in Relation zueinander setzen, Abhängigkeiten und daraus resultierende Konsequenzen berechnen.

Abgesehen davon, dass so etwas bei aller technischen Entwicklung schon noch etwas auf sich warten lassen wird, würde es selbst dann nicht möglich sein, jeden Schritt vorauszusagen. Manche Handlung, die wir als besonders erlebten, würde im Fortlauf schnell verpuffen und manches, dem wir keine weitere Beachtung schenkten, würde sich zu Großem aufbauschen. Denn, wir befinden uns eben in einem emergenten System, in dem alles irgendwie mit allem verbunden scheint und alles auf alles reagiert, durch es verstärkt oder geschwächt wird.

Wir leben in einer Welt des Zufalls

Um es kurz zu machen: Wir leben in einer Welt des Zufalls. Entweder, weil es eben in einem solchen System so ist und eine Voraussage nicht möglich ist und sein wird, oder, weil wir nicht die technischen Möglichkeiten haben, den Zufall durch Erkenntnis zu überwinden.

Spannenderweise versuchen und schaffen wir es auch immer irgendwie, diese zufällig aneinandergereihten Geschehnisse unseres Lebens auf eine durchgehende Schnur zu fädeln, um daraus ein plausibles Stück Leben zu erzählen, das sich Stück für Stück sinnvoll entwickelt hat.

Natürlich sind wir nicht unbeteiligt an dieser Passung, denn wir neigen dazu, das Leben, wie wir es uns so vorstellen, zu leiten und zu gestalten. Gleichzeitig wollen wir den Zufall so weit wie möglich ausblenden, denn er unterbricht unsere Pläne, die wir so mühsam für unser Leben, oder auch nur für einen kleinen Ausschnitt unseres Lebens geschmiedet haben.

Das kann funktionieren, wenn wir sowieso auf dem richtigen Weg sind. Wenn nicht, müssen wir schon einiges an Energie aufbringen, um trotzdem fortzufahren und auf dem Weg zu bleiben, den wir für den richtigen halten. Wir beginnen zu verkrampfen und entwickeln Schmerzen – körperlich wie seelisch. Und an Ende wissen wir doch eigentlich sehr genau, ob wir richtig liegen, oder nicht.

Der volle Kühlschrank und die Miete

Allerdings sind da die Verpflichtungen, der zu füllende Kühlschrank, die zu zahlende Miete, Mobilität (ob mit eigenem Auto oder anderen nicht minder günstigen Verkehrsmitteln). Sie bilden die Motivation, einen Weg weiterzugehen, der sich zwar nicht gut anfühlt, aber die Bedürfnisse erfüllt.

Wir wissen nicht, was geschehen würde, wenn wir uns dem Zufall hingäben. Denn der bietet einem mehr, als Unvorhergesehenes und Störendes. In ihm können sich die für uns wichtigen Zeichen zeigen, neue Wege und Inspiration für neue Abenteuer.

Wir wollen jedoch gerade von solchen neuen Wegen oft nichts wissen. Weil sie uns zu riskant scheinen und die mühsam aufgebaute Sicherheit im ansonsten so wenige gemochten Leben zerstören könnten. Dann lassen wir den Zufall sausen, hören nicht auf die in ihm enthaltenen Zeichen und Anregungen und beschweren uns Zeit unseres Lebens über das ungelebte Leben, das uns doch eigentlich vorschwebte.

Der Zufall bleibt unsicher

Rosa Parks ließ sich, vielleicht nicht ganz zufällig, jedoch, ohne zu wissen, was sie mit der spontanen Reaktion auslösen würde, auf einen Platz für weiße Menschen in einem Linienbus nieder. Als sie sich weigerte, wegen ihrer schwarzen Hautfarbe aufzustehen, erntete sie Widerstand und Unterstützung. Sie löste damit die großen Unruhen in den USA aus, bei denen schwarze Menschen für ihre Rechte kämpften.

Sie hätte für ein „bequemes“ Leben einfach aufstehen müssen. Doch weder war ihr Leben bequem, noch wollte sie dieses Leben so fortführen. Das war vermutlich keine lang geplante Entscheidung. Sie nahm den Zufall, der in diesem Fall erwartbar war, und reagierte unerwartet zufällig anders. Hätte sie es geplant, wären die Reaktionen vielleicht nicht so ausgefallen und es wäre ein weiterer Tag der Niederlage gefolgt.

Und hierin liegt auch das Ungemütliche am Zufall. Wir wissen nicht, ob er etwas zu bedeuten hat und ignorieren ihn lieber, als auf die falsche Bahn zu gelangen. Wir wissen auch nicht, was passiert wäre, wenn wir ihm gefolgt wären.

Was wir aber wissen, ist, ob uns unser Leben Freude bereitet. Wir spüren auch, wie sich der Zufall, den wir gerade erleben, anfühlt.

Und wenn sich das eine schlecht und das andere gut anfühlt, dann kann die Antwort nur sein: Spring.

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