Neurodiversität
Alles außerhalb der Norm Liegende kann Angst verursachen, und zwar bei mir und den anderen. Das ist die Natur des Menschen, die oft unterschätzt wird. Vor allem beim Begriff der Hochbegabung oder Hochsensitivität kommt die Scham dazu, von einigen als etwas Besseres betrachtet zu werden. Dabei gibt es sehr viele Dinge, die dieses Menschen schlechter können.
Wie die Bezeichnung schon sagt, haben wir es mit diversen Anzeichen zu tun. Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von Eigenschaften, die aus eine Neurodiversität hinweisen. Vor allem kann es das Zusammentreffen mehrerer Symptome sein. Schnelles Denken und daraus resultierende Herausforderungen können ein Zeichen von Hochbegabung sein oder ADHS, genauso von Neurosensitivität, also einer hohen Wahrnehmungsdichte. Im Gespräch kann man herausfinden, was die Ursachen eines bestimmten Verhaltens sind. Dementsprechend ist der Umgang damit auch ein anderer.
Am richtigen Ort das richtige zu tun ist es, was uns Befriedigung gibt. Etwas zu tun, was man nicht mag, wozu man kein Talent hat und/oder an einem Ort zu arbeiten, der die falschen Bedingungen aufweist, kann uns krank machen. Die einen ertragen Stille nicht und die anderen ertragen keine Geräusche. Für andere ist die Abwechslung zwischen Austausch und Ruhe entscheidend.
Die Umgebung ist nach heutigem Wissensstand zu fünfzig Prozent an der Entwicklung von Neurosensitivität beteiligt. Das ist nicht verwunderlich, denn die Art, wie wir denken – gleich, ob neurotypisch oder neurodivers – bedingt immer die Interaktion mit unserer Umwelt.
Unser Geist unterdrückt in der Regel sehr viele Reize und lässt nur die zu, die notwendig sind. Auch Gedanken, die in einer Thematik für den Moment zu weit führen, werden nicht beachtet. Bei neurodiversen Menschen ist das anders. Es gibt die These, dass jeder Mensch zu wesentlich mehr Wahrnehmungen in der Lage wäre, wenn seine Filter weniger aktiv wären, wie es bei neurodiversen Menschen der Fall ist.
Im Grunde sind wir alle anders und divers. Mit dem Begriff Neurodiversität sind die spürbaren Abweichungen von der Norm bezeichnet. Hier finden sich Begriffe wie ADHS, Autismus, Hochbegabung, Tourette-Syndrom und weitere. Vor allem geht es darum, dass es sich zum Teil um eine organische Variable handelt. Das Gehirn nimmt anders wahr und verarbeitet das Wahrgenommene anders. Das führt zu anderen Schlussfolgerungen, da mehr Reize in weniger Zeit zur Beurteilung zur Verfügung stehen.
Neurosensitivität
Unser ganzer Körper besteht aus Energien. Unsere Gedanken entstehen aus Energie, unsere Bewegungen, unsere Handlungen und überhaupt bestehen unser gesamter Körper, wie auch der Rest des Universums aus Energie. Wenn wir traumatisierende Dinge erleben, speichern wir sie in Hirnregionen, wo wir sie für eine teils lange Zeit nicht mehr rauslassen. Wenn es dann doch – kontrolliert oder zufällig – geschieht, spüren wir die teils zerstörerische Energie, mit der sie immer noch aufgeladen sind. Wir speichern sie außerdem in unseren Muskeln ab und spüren, wie sie uns wehtun. Alles nur, um nicht ertragen zu müssen, was wir erlebt haben.
So ist es auch, wenn andere Menschen uns erklären, wie wir uns zu verhalten haben, beispielsweise als Kind. Wir speichern diese Anforderungen an uns ebenfalls in Form von Energie, die in den entsprechenden Gedankenmusters gebunden ist. Das ist alles erst einmal recht normal. Wir müssen erklärt bekommen, wie die Welt funktioniert und wie wir uns am besten darin zurechtfinden. Doch auch diese Erklärungen sind ja nur die Schlussfolgerungen, die der Mensch, der sie uns beibringt, geschlossen hat.
Wir sind zwangsläufig ein Produkt fremder Einflüsse, die wir im späteren Leben zu überprüfen haben. Wir müssen schauen, ob diese fremden Energien zu uns passen. Wollen wir unsere Traumata weiter mit uns herumschleppen? Wollen wir weiter der Geschichte unsere Eltern glauben, dass wir unbedingt studieren müssen, um etwas zu werden? Wollen wir den Anforderungen, die unsere Partner, Freunde, Kollegen an uns stellen, weiter gerecht werden (zumal in aller Regel wir selbst diese Anforderungen an uns stellen, um die dann unserem Umfeld zu unterstellen)?
Was von dem, was ich über die Welt, meine Beziehung, mein Talent, meinen Platz in dieser Welt zu glauben weis, stamm wirklich von mir? Was davon habe ich wirklich mal unter die Lupe genommen und mich gefragt, ob das überhaupt das ist, was ich von mir, meinen Freunden, Kollegen oder dem Leben ganz allgemein erwarte.
Man könnte statt Fremdenergien auch Fremdgedanken oder Fremdeinstellungen sagen. Energie subsummiert alle Möglichkeiten, wie fremde Gedanken Einfluss auf uns nehmen können. Das können in der Kindheit gelernte Gedanken sein oder auch im Vorbeigehen oder bei meinem Gegenüber in einem Gespräch aufgeschnappte. Wichtig ist, von Zeit zu Zeit zu schauen, was von dem, was ich denke und fühle überhaupt meins ist. Das betrifft sowohl, was ich jetzt gerade denke und fühle, als auch grundsätzliche Einstellungen und Glaubenssätze oder Erinnerungen, die ich seit langem mit mir herumtrage. Frage dich immer, wen du gerade fühlst – dich oder andere?
Erst einmal unterscheiden sich Menschen grundsätzlich in Temperament, Sozialisation, Wertegefüge und vielem mehr. Das betrifft alle Menschen auf der Erde. Das sind durchaus entscheidende Merkmale, denn sie bestimmen unser Verhalten in der Welt.
Die andere Struktur und Arbeitsweise eines neurodivergenten Geistes wiederum entscheidet, wie wir mit den oben genannten Merkmalen umgehen. Denn anders, als neurotypische Menschen, nehmen neurodiverse mehr wahr, verarbeiten es anders und ziehen andere Schlussfolgerungen daraus. Ein bestimmtes Temperament wird unter neurodiversen Umständen anders wahrnehmen und andere Schlussfolgerungen über die Welt finden, als ein neurotypisches.
Als neurosensitiver Mensch findet sich häufig Überforderung und Selbstausbeutung statt, was mit der erhöhten Wahrnehmung und Verarbeitungsgeschwindigkeit zu tun hat. Das Gefühl,
- nicht genug zu sein,
- es allen recht machen zu müssen,
- nichts Wert zu sein, wenn nichts geleistet wurde,
- für andere mehr da sein zu müssen, als für sich selbst,
- ein schlechter Mensch zu sein, wenn man „nein“ sagt,
nagt ständig an einem. Das liegt vermutlich unter anderen daran, dass neurosensitive mehr spüren. Sie spüren die kurzfristige Enttäuschung, wenn man ein „nein“ sagt. Dass die beim Gegenüber auch gleich wieder verschwunden ist, geht dann in der Hochleistungs-Denkmaschine unter, denn die baut gleich Geschichten mit den Namen „Das Ende einer langen Freundschaft wegen eines Neins“ oder ähnlichem. Unser Geist ist nämlich wahnsinnig gut darin, schnell irgendwelche Geschichten auf die innere Leinwand zu projizieren, die uns antreiben und das meist nicht in unsere eigene Richtung.
Neurosensitivität könnte man mit einem bisher (und immer noch) gebräuchlichen Begriff beschreiben, der Hochsensibilität. Es ist ein Begriff, der zunächst einmal beschreibt, dass man mehr wahrnimmt und somit auch mit weitaus mehr Reizen zu tun hat, als es sogenannte neurotypische Menschen tun. Das bedeutet, dass neurosensitive Menschen auch mehr Informationen zur Verfügung haben, was zu Irritationen führen kann, vor allem bei denen, die diese Reize nicht zur Verfügung haben und somit auch manche Äußerung nicht nachvollziehen können. Das zu verstehen und damit umzugehen lernen, kann den Alltag erheblich erleichtern und dazu führen, dass man von einer steten Verunsicherung zu einer vorteilhaften Neurosensitivität führt.
Potenzial
Berufung ist eng verbunden mit Sinn und mit der Vorstellung, dass es da etwas gibt, was nur gefunden werden muss. Daraus ergibt sich der Wunsch, dass diese eine Berufung den Rest des Lebens als (Lebens)Aufgabe dient, der man immer mit der gleichen Faszination und dem gleichen Elan begegnet.
Natürlich gibt es diese Menschen, die genau das verwirklicht haben. Das sind Menschen, die Ihre Hochbegabung nicht in ewigen Gedanken und Zweifeln erniedrigen und fokussiert an die Dinge herangehen können. Das ist allerdings nicht allem Menschen gegeben, bedeutet aber nicht, dass alle anderen in diesem Leben nicht erfolgreich und zufrieden mit dem werden können, was sie tun.
Es kann auch leidenschaftlich immer wieder das getan werden, was man gerade tun will, statt immer auf demselben aufzubauen.
Berufung kann sich in vielen Dingen und Projekten zeigen. Sie kann sich in der Beschäftigung mit nur einem Thema genauso zeigen, wie in häufigem Wechsel zwischen den Themen. Manch ein Neurodiverser wünschte sich, sein Lebensthema zu finden, statt immer neue Themen zu bearbeiten.
Die Anstrengung in Letzteren kommt dann daher, dass Wunsch und Realität nicht zusammenpassen und nicht vorn einer anstrengenden Realität.
Das Herausarbeiten von Potenzial hat mehrere Ebenen. Im Sinne von Blitzgescheiter(t) ist der erste Punkt das Erkennen und Anerkennen, dass ich so bin, wie ich bin und dass es in der Regel nicht darum geht, etwas zu können, sondern, etwas zu müssen. Das kann zu viel Fühlen, zu viel Wahrnehmen, oder zu viel Denken sein. Im Umkehrschluss aber gibt es auch ein zu wenig. Zu wenig Ruhe, zu wenig Verständnis für Langsamkeit und Ruhe, zu wenig Entspannung, zu wenig soziale Fähigkeiten oder Verständnis dafür. Das ist das Erste, was verstanden werden muss, bevor man dann in die Inhalte schaut. Womit und in welcher Umgebung fühle ich mich am wohlsten. Danach kann die Suche oder das Finden beginnen. Ansonsten landet man wieder an irgendeiner unpassenden Stelle. Oder in einem unpassenden Thema.
Im psychologischen Bereich ist Potenzial die Möglichkeit, die in einem Menschen liegt. Es gibt Menschen, die in diesem Sinne ihr Potenzial ausdrücken, indem sie genau dort sind, wo sie sein wollen und können, und genau das ausdrücken, was sie ausdrücken können und wollen. Manche Neurodiverse haben in einigen Bereichen ein höheres Potenzial, dass sie nicht ausdrücken können. Das liegt daran, dass in einem für sie ungeeigneten Bereich und/oder in einer ungeeigneten Umgebung arbeiten.
Spiritualität
Carl Gustav (CG) Jung führte den Begriff der Synchronizität ein und meint damit Ereignisse im Außen, die synchron zu einem Inneren Vorgang stattfinden. Sie tauchen demnach im Auge des Betrachters auf, ohne von ihm verursacht zu sein. Ich denke an einen Freund und der ruft plötzlich an oder ich bekomme eine Information durch eine zufällige Begegnung mit einer anderen Person, die sich für mein Leben als grundlegend verändernd herausstellt.
Man könnte sagen, dass Synchronizitäten die Antwort auf Fragen liefern, die ich mir bewusst oder unbewusste gestellt habe. Ich denke vielleicht öfter an den Freund, doch oft nur, ohne ein Absicht damit zu verbinden. Dann denke ich vielleicht voller Sehnsucht, ihn mal wiederzusehen. In den vorherigen Situationen waren die Gedanken an ihn also ohne Absicht und somit auch ohne Synchronizität. In dieser einen Situation war (unbewusst) jedoch der Wunsch vorhanden, ihn nach langer Zeit wiederzusehen. Hier kann die Synchronizität dann die Antwort auf die Frage „wann sehe ich ihn wieder“ geben und ihm den Impuls geben, mich anzurufen.
Was genau Synchronizitäten steuert bleibt unklar. CG Jung sah Zusammenhänge zwischen seiner Theorie und der Quantenphysik, die zu der Zeit schon Erkenntnisse über das Verhalten von Quanten hervorgebracht hatte. Demnach könnte es eine Gesetzmäßigkeit sein, nachdem gedankliche oder seelische Energien Ereignisse in Gang setzen, die uns dabei helfen, uns selbst und unser Leben besser zu verstehen und die uns den Weg weisen können, also ein sinnvoller Zufall, wie Jung es nannte.
Ich habe für mich diesen Begriff geprägt, da aufgrund meiner erhöhten Wahrnehmung bei mir oft der Wunsch nach Erklärungen bestand, warum ich manchmal eine Ahnung oder ein Gefühl für Situationen, Menschen und Ereignisse habe, die schwer einzuordnen sind. Das Gleiche höre ich oft von Gleichgesinnten. Das kann ein bestätigendes Kribbeln sein oder auch eine Ahnung, die durch nichts zu erklären ist und sich doch im Nachhinein als richtig erwies.
In der Regel werden solche Phänomene abgetan als zufällig und eingebildet. Da ist der Anruf, der eingeht, nachdem man kurz zuvor an den Anrufer gedacht hat. Natürlich gibt es die vielen Anrufe, die nicht stattfinden, in dem Moment vielleicht auch nicht nötig waren.
Viele halten solche Synchronizitäten für Unfug und reden auch nicht über sie.
Spiritualität ist das Vertrauen auf Dinge, die außerhalb wissenschaftlicher Erkenntnisse und Deutungen stattfindet und rein subjektiv ist. Ein Mensch muss nicht spirituell sein, er hat das recht dazu. Spiritualität wird nicht von spirituellen Anführern oder Predigern bestimmt. Sie können eine Inspiration anbieten. Christen bieten das Modell eines Gottes an, Buddhisten das der konkreten Wiedergeburt und des Karmas. All diese Lehren bieten ein Modell von Spiritualität an, dass man annehmen oder verwerfen oder in Teilen annehmen kann. Jedes spirituelle Angebot muss sich letzten Endes in meiner Wirklichkeit beweisen und bestätigen, niemals in der anderer. Ich darf und muss mir mein eigenes Bild von meiner Wirklichkeit bilden und es im Außen bewahrheiten. Es muss für keinen anderen Menschen auf dieser Erde gelten. Entscheidend ist, dass es mir hilft, mein Leben und die Welt an sich (besser) zu verstehen. Ich muss meine Spiritualität niemandem erklären. Ich muss sie nur für mich leben.
Nach einer Welt, die sich aus Mythen erklärt hat, leben wir jetzt in einer Welt, die sich fast ausschließlich durch wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt. Der Mensch ist allerdings kein Wesen, das sich ausschließlich durch Vernunft entwickelt. Darin liegt oft das Missverständnis. Während Mythen sich mit Geschichte erklären, erklärt sich Wissenschaft mit Zahlen und Fakten. Das ist für viele Dinge wichtig, und für manche nicht praktikabel. Die wenigsten werden die astronomischen Erkenntnisse den Astrologischen vorziehen, vor allem dann, wenn sie ein Raumschiff navigieren wollen. Trotzdem kann ein spiritueller Mensch den astrologischen Erkenntnissen mehr Bedeutung beimessen, wenn es um persönliche Entscheidungen oder Erkenntnisse geht. Beides passt zusammen und es gibt keinen Grund, diesen Menschen deshalb für verrückt zu erklären. Wer einen abendlichen Blick in den Sternenhimmel wagt, kann mühelos zu dem Schluss kommen, dass es viele Dinge gibt, die durch die Wissenschaft vermutlich nie geklärt werden können. Das Mysterium des Lebens in diesem Universum ist durch die Astrologie besser erklärt, als durch die Astronomie, während der Aufbau des Universums besser durch die astronomische Brille erkannt werden kann.
Spiritualität hilft mir, meine Welt zu verstehen. Der ungebrochene und ehrliche Glaube an Gott hilft mir, mit dem Leben zurecht zu kommen. Es sollte keine Ausrede dafür sein, dass ich nicht mit meiner Welt zurechtkomme, sondern mir helfen, mich in meiner Welt zurechtzufinden und in meinem Sinne erfolgreich zu sein. Spiritualität wirft mich auf mich selbst zurück und beschreibt mein Verhältnis zur und meinen Platz in der Welt.
Praktisch
Was können wir also mit den zuvor genannten Synchronizitäten anfangen? Zunächst noch einmal zwei Erklärungsversuche. Synchronizitäten sind Ereignisse, die keine äußere Ursache haben und uns dabei helfen, unser Leben zu verstehen. Sie passieren im Außen und kommen als eine im außen stattfindende Information – ein Buch, ein Mensch, ein Flugblatt, eine Dokumentation – auf uns zu, die uns eine neue Richtung verleiht. Im besten Fall sagen wir viele Jahr später, dass unser Leben ohne diesen Zufall ganz anders verlaufen wäre.
Ein Erklärung ist die, dass unsere Gedanken eine Energie erzeugen, die unser Umfeld Situationen erzeugen lässt, die unsere Gedanken unterstützen und eine Antwort darauf geben. Wenn ich mit meinem Leben hadere, aber nicht so genau weiß, warum, dann könnte ich auf eine Person treffen, die mir einen neuen Job anbietet. Im Nachgang stelle ich fest, dass ich in meinem vorherigen Job nicht mehr glücklich war und der neue Job mir wieder die Freude zurückgebracht hat. Zwei Energien haben sich gegenseitig angezogen und erkannt und – das ist wichtig – haben ihre Chance genutzt. Ich hätte die Person auch ignorieren können und das Gespräch hätte nicht stattgefunden.
Es gibt aber auch eine psychologische Erklärung dafür, die vorstellbar ist. Wie stehen unser gesamtes Leben vor Aufgaben, die wir zu lösen haben und viele dieser Aufgaben müssen wir sofort oder zeitnah lösen. „Wo bekommen ich etwas zu essen her?“, „Gehe ich jetzt bei rot über die Ampel?“ und dergleichen mehr.
Dann gibt es Fragen, die nicht sofort gelöst werden können, sei es, weil wir die Antwort nicht so leicht geben können oder weil sie uns gerade nicht einfällt. Hier kommt das Vorbewusstsein ins Spiel. Freud beschrieb dies als eine Instanz in unserem Geist, die solche Fragen beherbergt, die uns eben lange beschäftigen. Ein Beispiel aus dem Alltag mag es verdeutlichen. Wir suchen nach dem Namen einer bekannten Schauspielerin. Wir sehen sie förmlich vor uns, der Name liegt uns auf der Zunge und je länger wir darüber nachdenken, umso mehr scheint er sich in den tiefsten Tiefen unseres Gedächtnisses zu verstecken. Irgendwann geben wir auf und führen unsere Gespräche weiter. Wir hängen der Fragen noch eine Weile nach, bis sie verschwunden ist. In Wirklichkeit sucht unser Gedächtnis aber noch weiter – im Vorbewusstsein. Plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint der Name: „Judy Garland!“ rufen wir auch und jeder in der Runde weiß genau, was gemeint ist, denn auch im Vorbewusstsein der anderen schwang die Frage noch mit.
Da draußen in der Welt schwirren sekündlich unzählige Informationen herum, in Form von Filmen, Menschen, Plakaten und Situationen, in die wir geraten können. Wenn ich mich nun frage, wie ein bestimmtes Problem gelöst werden könnte, wird diese Frage nicht ständig in meinem Bewusstsein herumschwirren. Vielmehr trage ich sie in meinem Vorbewusstsein als ungelöst mit mir herum. je mehr Reize ich da draußen wahrnehmen kann, umso eher wird mir eine Information über den Weg laufen, die genau zu meiner Frage passt. In dem Moment, in dem ich die Information wahrnehme, werde ich eine Passung zu der Frage feststellen und mich der Information zuwenden.
Ich bevorzuge eine Mischung aus beiden Theorien, am Ende aber ist es gleichgültig, welche stimmt. Einerseits trage ich eine Frage mit mir herum. Sie wabert in energetischer Form in meinem Vorbewusstsein und hält innen wie außen Ausschau nach der Antwort. Da ich nicht mehr konkret an sie denke, bin ich von den Störgeräuschen meines denkenden Geistes befreit. Erst in dem Moment also, in dem einen mögliche Antwort auftaucht, werde ich „geweckt“. Dies geschieht durch ein Signal, eine Gänsehaut, eine kurze Hitzewallung, ein Herzklopfen. Dadurch weiß ich, dass da wohl etwas Bedeutendes geschieht und kann meine Aufmerksamkeit auf das Ereignis richten. Wenn überhaupt, taucht jetzt die einst gestellte Frage auf. Allerdings sind viele Fragen, vielleicht aus Frust, sie nicht beantworten zu können, im Laufe unseres Lebens verschütt gegangen. Das Signal zeigt uns aber, dass die Information, auf die wir gestoßen sind, wichtig zu sein scheint.
Die Aufgabe ist es demnach, unbefangen durch die Welt zu gehen und darauf zu achten, wenn es da draußen etwas gibt, zu dem wir in Resonant geraten.
Dieses Problem haben wohl die meisten Menschen, ungeachtet der hirnorganischen Beschaffenheit und Intelligenz. Das liegt daran, dass wir in erster Linie emotionale Wesen sind, die es mit der Logik nicht immer so genau nehmen. Und auch Logik ist nicht der Weisheit letzter Schluss.
Kurzum: Die anderen verstehen dich durchaus, sind nur nicht deiner Meinung und mehr oder weniger begabt, dies plausibel darzulegen.
Und sind wir ehrlich: Oft geht es um wenig oder nichts und in diesem Falle: Lass Sie!
Aus einem schnellen und komplexen Denken kann der Schluss gezogen werden, recht zu haben. Die Dinge sind jedoch oft nicht so einfach, als es die Logik oder ein noch so komplexes Denken scheinen lassen mag. Entscheidungen benötigen meistens die Zustimmung verschiedener Menschen, die daran beteiligt oder davon betroffen sind. Zudem würde selbst ein zu 100 % korrektes Denken davon ausgehen müssen, dass alle Beteiligten vernünftig genug sind, die Richtigkeit und Notwendigkeit zu erkennen. Aber das ist auch (oder gerade) neurodiversen Menschen nicht immer möglich.
In der Politik ist dies gut zu erkennen. Es können immer mehr Menschen und Gruppierungen an einer Entscheidung mitwirken, was eine (scheinbar) logische Entscheidung immer schwieriger macht. Oft kommt es dann zu Lösungen, die keinem so richtig dienen, aber bestenfalls auch keinem so richtig schaden.
Hier gilt es, zu erkennen, dass die logischste nicht immer die beste Entscheidung für alle ist. Mit dieser Dissonanz umzugehen, ist eine Herausforderung für viele Neurodiversen Menschen.
Schnelles und vor allem komplexes Denken ist für viele keine Option, sondern ein Muss, das Menschen, die nicht so viel wahrnehmen und denken, oft überfordert und verunsichert. Sie beschäftigen sich oft gar nicht mit den Problemen eines Vieldenkers, weil sie konzentriert bei dem bleiben, woran sie gerade denken und arbeiten. Deshalb kommen sie oft auch zu einem anderen Schluss, der meistens nicht mit dem des Vieldenkers nicht übereinstimmt.
Das liegt daran, dass der Vieldenker, mehr Dinge zu einer Situation bedenkt, was aber – Achtung! – nicht heißen muss, dass auch etwas Besseres dabei herauskommt. Allerdings nimmt er das an, da er viel mehr Dinge bedacht hat. Und hier liegt oft das Problem. Es werden Hinweise einbezogen, die an einem Problem nicht ursächlich beteiligt sind, gleichwohl die logisch erscheinen. Das liegt daran, dass der Geist denkt und denkt und dabei nicht mehr immer in der Lage ist, zwischen dienlichem und undienlichem zu unterscheiden.
Denjenigen, der eher besonnen und fokussiert ist und eben nicht um drei oder mehr Ecken denken kann erscheint die Schlussfolgerung dann entsprechend seltsam und unplausibel.
Zu erkennen und vor allem anzuerkennen, dass mein Gegenüber nicht so schnell und vor allem nicht so komplex denkt, hilft, den anderen nicht als lahm oder gar weniger Intelligent zu sehen, sondern als jemand, der seine Stärken in einem besonneneren Denken hat. Beides ist für eine Entscheidung und vor allem deren Ausführung wichtig.
Es ergibt keinen Sinn, andere dafür zu verurteilen, weil sie anders über Dinge und Situationen denken, als man selbst. Stattdessen kann es helfen, zu erklären, wie man zu seinen Schlussfolgerungen kommt. Stattdessen hilft es sich klarzumachen, dass man selbst aufgrund erhöhten Denkens nicht unbedingt zu besseren Lösungen gelangt und stattdessen lernt, von seinen eigenen Gedanken zu lassen und andere Lösungen zuzulassen, zumal, sind wie ehrlich, es in den meisten Situationen um nichts wirklich Wichtiges geht.
