Verrückt oder Superkraft?
Die Begriffe Neurodiversität, Autismus, ADHS, etc. sind heute in den (sozialen) Medien recht inflationär verbreitet. Der Name dieser Seite soll darauf hindeuten, dass es oft in den Diskussionen gar nicht um ganz normale Menschen geht, die in einem Bereich anders ticken, weil sie ein anders arbeitendes Gehirn haben.
Blitzgescheiter(t) weist darauf hin, dass Wahrnehmung und Realität im Diskurs oft auseinanderliegen. Es gibt Neurodiverse Menschen, die mit ihrer Begabung erfolgreich sind und solche, die deswegen nicht erfolgreich sind. Denn, wie der Namen sagt, sie unterscheiden sich zunächst einmal. Über die Auswirkungen dieses Unterschiedes entscheiden allerdings keine IQs oder andere Kennzahlen, sondern ebenso das Temperament, die Umwelt und die Möglichkeiten, die sich in dieser Umwelt ergeben. Und das wiederum gilt für alle Menschen.
Wenn man allerdings um seine Neurodiversität weis und feststellt, dass diese auch mit großem Bemühen nicht zu ändern ist, kann man beginnen, den Umgang damit und die Nutzung der Fähigkeiten zu erlernen.
Neurodivergenz, neurodivers, ADHS, Hochbegabung, Autismus
Was ist was? Darüber ist man sich nicht ganz einig, was auch daran liegt, dass all diese Zustände nicht so leicht auseinanderzuhalten sind, bzw. viele Gemeinsamkeiten haben und nicht immer leicht abgrenzbar sind.
Prinzipiell lässt sich sagen oder beobachten, dass
- soziale Fertigkeiten schwerer fallen (Beispiel „smalltalk“),
- die Wahrnehmung äußerer Reize intensiver ist,
- die Verarbeitung der äußeren Reize komplexer ist,
- auch innere Reize und Gedanken intensiver wirken und nach außen gezeigt werden,
- es schneller zu Überreizungen kommt (einzelne Geräusche werden z. B. extrem laut wahrgenommen und fokussiert),
um einige zu nennen.
Bisher hat man in der psychiatrischen Literatur die Extreme beschrieben. Das liegt in der Natur der Sache, denn nur die sind es, die einen Menschen ganz offensichtlich stören und teils extrem am Leben hindern.
Der Autist, der in Rain Man beschrieben wurde, oder die Autisten, die in Dokumentationen auftreten, besitzen oft unglaubliche Fähigkeiten, büßen dafür aber auf der anderen Seite vor allem soziale Fähigkeiten ein. Andere sind derart in ihren Ritualen gefangen, dass sie nur unter sehr bestimmten Umständen überhaupt am Leben teilnehmen zu können. Sie bekommen Angst, wenn die Erbsen auf dem Teller nicht so liegen, wie sie immer liegen.
Mittlerweile spricht man von einer Autismus-Spektrum-Störung. Das bedeutet, dass Autismus sich nicht nur in Extremen äußern muss, sondern seine wesentlichen Merkmale in sehr differenzierten Ausprägungen zeigen kann. Diese sind für die Betreffenden immer noch störend und in der „normalen“ Welt behindernd, allerdings in einer Form, die für die Betreffenden mit einem entsprechenden Umgang damit umgänglich wird.
Das hört sich dann so an: Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die sich durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion, Kommunikation und durch wiederholende Verhaltensmuster auszeichnet. Die Symptome können von Person zu Person variieren und in ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich sein, weshalb man von einem „Spektrum“ spricht.
Genauso ist es mit den anderen neurodiversen Erscheinungen. Unter ADHS stellen sich viele Menschen immer noch schreiende, nicht unter Kontrolle zu bringende Kinder vor. Zum einen stellt sich dieses Bild von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich dar und zum anderen betrifft es längst nicht nur Kinder. Das Wesentliche daran ist, dass die Betroffenen Fähigkeiten haben, von denen alle anderen nur träumen könnten. Allerdings wird der Fokus immer noch auf das Störende (in der normalen Welt) gelegt. Die Fähigkeit, die dahintersteckt, wird oft unter den Teppich gekehrt.
Auch herrschen immer noch Urteile und Vorurteile bei der Verwendung dieser Begriffe. Und wie es so üblich ist, reichen die Reaktionen von „gibt’s nicht!“ über „Modeerscheinung“ bis „will ich auch haben“.
Fakt ist, dass Menschen mit einem neurodiversen Gehirn oft als störend empfunden werden: Sie sind zu schnell oder zu langsam, zu empfindlich, zu rechthaberisch (weil sie recht haben), zu forsch, zu eigen, zu wenig gesellig, zu laut, zu leise.
Alle aber haben gemeinsam, dass sie Dinge können, die viele andere Menschen nicht können – und natürlich umgekehrt. Wenn ein Mensch mit ADHS in eine ruhige Umgebung gesetzt wird, in der er Quittungen sortieren soll, dürfen wir uns also nicht wundern, wenn er nach kurzer Zeit die Geduld verliert, weil ihm der Input fehlt. Von einer autistischen Person wiederum sollten wir nicht verlangen, dass sie ihr perfektes Verständnis für Zusammenhänge oder Muster in einem Großraumbüro mit ständig wechselnden Gegebenheiten gut arbeiten kann.
Diese Seite ist von und für neurodiverse Menschen und versucht, zu erklären, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu haben. Ziel ist es in erster Linie, dir als Leserin und Leser die Gewissheit zu geben, dass du einiges wesentlich besser kannst, als andere, wenn du in der richtigen Umgebung bist und die für dich passenden Aufgaben hast. Das zu finden, ist das Ziel.
Das ist allerdings gar nicht so leicht zu erreichen, und schon gar nicht, wenn man selbst nicht über sich Bescheid weiß. Nicht selten kommt es deshalb vor, dass Menschen mit wirklich außergewöhnlichen Fähigkeiten trotzdem erfolglos bleiben. Erfolglos im Sinne dessen, dass sie Dinge tun, die sie vielleicht aus dem Ärmel schütteln, für die sie aber nicht gemacht sind. Blitzgescheitert eben.
