Es gibt ein Recht zu leben, aber keine Pflicht
Es gibt sicher die angenehmen Pflichten. Dazu gehören die Dinge, die ich auch ohne den Hinweis (äußerlich oder innerlich) sie ausführen zu müssen, machen würde, weil sie mir Spaß machen oder ich eine andere Motivation habe, sie zu tun. Also keine wirkliche Pflicht, denn die lebt davon, trotz Abneigung der Aufgabe gegenüber, eine Motivation aufzubauen, die die Abneigung der Aufgabe übertrifft.
Wikipedia sieht das so: „Eine Pflicht, alternativ auch ein Sollen oder Müssen genannt, ist eine Aufgabe, Forderung oder Anforderung, die jemandem aus prinzipiellen, persönlichen, situativen oder sozialen Gründen erwächst und deren Erfüllung er sich nicht entziehen kann. Als Pflicht wird insbesondere auch das bezeichnet, was von einer Autorität oder durch ein Gesetz von jemandem gefordert wird und Verbindlichkeit beansprucht.“
Eine Pflicht, alternativ auch ein Sollen oder Müssen genannt, ist eine Aufgabe, Forderung oder Anforderung, die jemandem aus prinzipiellen, persönlichen, situativen oder sozialen Gründen erwächst und deren Erfüllung er sich nicht entziehen kann. Als Pflicht wird vornehmlich auch das bezeichnet, was von einer Autorität oder durch ein Gesetz von jemandem gefordert wird und Verbindlichkeit beansprucht.
Die Gründe für eine Pflicht werden selten direkt geliefert. Vor Gericht ist es unsere Pflicht, wahrheitsgemäß zu antworten, da ansonsten eine Strafe droht. Man wird sich also am Riemen reißen und die Wahrheit sagen, da die Strafandrohung unter Umständen größer ist, als die zu erwartenden Vorteile einer Lüge. Hier liegt die Rechnung auf dem Tisch und ich muss entscheiden, wie viel ich bereit bin, zu bezahlen, wenn ich gegen die Pflicht verstoße.
Unser Leben besteht allerdings aus einer ganzen Menge an Verpflichtungen, die wir uns (mehr oder weniger) freiwillig auferlegen, oder die uns qua Geburt und Erziehung auferlegt wurden. Wir absolvieren sie vollautomatisch und überlegen oft gar nicht, ob wir es überhaupt müssen oder gar wollen. Von diesen Pflichten soll die Rede sein.
Es sind die Tätigkeiten also, deren Ausführung wir für unerlässlich halten, da sie von uns erwartet werden oder wir sie von uns erwarten. Dementsprechend ziehen wir sie den Dingen vor, die wir gerne machen, die aber vielleicht nicht das Geld bringen, dass sie einbringen sollten oder nicht die Menschen glücklich machen, die sie glücklich machen sollten.
Damit sind wir vielleicht auch schon beim Grundproblem angekommen: Es gibt Pflichten, die sind wichtig. Sie dienen der Allgemeinheit, dem Vorankommen, dem nicht-Zusammenbrechen. Sie mögen mal mehr, mal weniger angenehm sein, jedoch wissen wir, oder sollten wir wissen, dass die Nichteinhaltung dieser Pflichten weitaus unangenehmere Konsequenzen haben könnte, als es zu tun.
Die Rede ist von den Pflichten, die keine sind, sondern nur im Gewand der Pflichten daherkommen, die nie wieder hinterfragt werden und die wir trotzdem nicht mögen.
Eine solche Pflicht ist auch die, leben zu müssen, wenn man denn schonmal geboren wurde. Sein Leben einfach so zu beenden, das war früher (und ist es für manchen auch heute noch) gotteslästerlich. Immerhin hat der Herr ja so einiges auf sich genommen, dich auf die Erde zu bugsieren, also hast du dein Leben eben auch so zu beenden.
Heute sind es die Mediziner, die es unerhört finden, dass sie für viele Erkrankungen keine Lösung haben, außer an deren Ende die Gabe hochwirksamer Schmerzmittel zu setzen, die das Leben, glaubt man ihnen, bis zum letzten Atemzug lebenswert machen.
Ich erinnere mich an meinen Vater und an einen Freund, die das gleiche Schicksal teilten, nämlich am Ende ihres Lebens palliativ versorgt worden zu sein. Leider waren sie nicht mehr in der Lage von ihrem lebenswerten Leben zu berichten, da sie einfach zu schmerzbefreit waren, es überhaupt wahrzunehmen. Aber, hey, die Medizin konnte bis zum Schluss behilflich sein. In beiden Fällen hätte sie das noch viel besser sein können, indem sie diesen Menschen geholfen hätte, einen würdigen Abgang ohne Windeln und Verblödung.
In der SFR-Dokumentation „Tod nach Plan“ berichtet ein einst erfolgreicher Unternehmer von seiner jahrelangen Odyssee wegen einer diagnostizierten bipolaren Störung. Helfen konnte ihm niemand, sodass er, nachdem sein Leben Stück für Stück implodierte, beschloss, dem ein Ende zu setzen. Doch selbst jetzt findet sich ein Psychiater, der klagt, dass man da doch noch was machen könnte. Bei keinem anderen Thema zeigt sich die Hybris der Medizin und die schnelle Kränkung der Mediziner, wenn es mal nicht so läuft, wie sie sich gerne vormachen.
Ein Freund erzählte mir, dass bereits sein Vater ihm deutlich gemacht hatte, dass er es in diesem Leben zu nichts bringen würde und er selbst schloss daraus, nicht älter als fünfzig werden zu wollen. Er hielt sich daran und schied mit neunundvierzig freiwillig aus dem Leben. Seinen Abschiedsbrief übertitelte er mit den Worten
„Es gibt ein Recht auf Leben, aber keine Pflicht“.



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